Burnout

Strampeln bis zum Umfallen

Wie kann es passieren, dass ich arbeite, bis gefühlt nichts mehr von mir übrig ist. Wieso verliere ich jegliches Gefühl für die Grenzen meiner Kraft, meiner Belastbarkeit, meiner Nerven und den Punkt an dem ich „Nein“ sagen müsste? Warum merke ich manchmal jahrelang noch nicht einmal, dass ich viel mehr mache, als gut für mich ist?

Bei jedem ist es etwas anders

Die Ursachen dafür liegen, wie so oft, meist in meiner Kindheit und sind sehr individuell. Sie sind mein ganz persönlicher Mix aus Lernerfahrungen, Bindungsbedingungen und daraus entstandenen Verhaltensmustern und sollten sinnvollerweise auch genauso individuell aufgearbeitet werden.

Mein Unterbewusstsein passt einfach nur auf mich auf

Es ist meine Aufgabe für mich zu sorgen, die Balance aus Anspannung und Entspannung zu halten und darauf zu achten, dass es mir gut geht. Missachte ich diese Aufgabe über Jahre, grätscht mir mein Unterbewusstsein irgendwann dazwischen und verordnet mir das, was ich mir selbst nicht gebe: Ruhe!

Aufarbeitung ist Ursachenforschung

Nur dann, wenn ich mir die Zusammenhänge ganz bewusst mache, die Ursprünge genau erkenne und mein Verhalten dem entsprechend verändere, habe ich die Chance eine für mich sinnvolle Umwälzung zu bewirken. Ansonsten wird mein Unterbewusstsein jedes mal, wenn ich wieder versuche zu arbeiten, erschrocken aufheulen und sagen:“Nein! Nicht wieder in die Tretmühle! Ich will das nicht mehr, ich kann das nicht mehr, ich ziehe die Bremse!“ Das gebrannte Kind scheut bekanntlich das Feuer.

Ohne Ursachenforschung keine Aufarbeitung

Wann habe ich in meiner Familie Aufmerksamkeit oder Anerkennung bekommen? Durfte ich als Kind auch mal „Nein“ sagen, wenn mir etwas zu viel wurde? Gab es in meiner Familie eine klare Erwartungshaltung, dass alle Aufgaben erfüllt werden mussten, die an einen gestellt wurden? Wie lautet meine „Daseinsberechtigung“? Wann meine ich ein wertvoller Teil der Familie oder Gruppe zu sein? Waren meine Eltern dominant und es wurde immer getan, was sie gesagt haben? Gab es Raum für meine Gefühle, Wünsche oder Meinungen oder musste ich die meist verdrängen? Wie stehe ich zu meinem „Bauchgefühl“? Wie sieht mein Rollenbild eines „richtigen“ Mannes oder einer „richtigen“ Frau aus?
Diese und viele weitere Fragen, können mir bei der Suche nach den Ursachen behilflich sein und ihre Beantwortung bringt genau da Licht ins Dunkle, wo ich es brauche, um einen neuen Weg zu sehen.

Egal ob präventiv oder akut

Wie bei allen anderen Themen, bei denen ich mir eine Veränderung in meinem Leben wünsche, ist es auch beim Burnout so, dass ich mir über möglichst viele Ursachen, Verhaltensmustern und Bindungsbedingungen klar werden sollte, und das möglichst auch schon präventiv, wenn die Freude beginnt aus meinem Leben zu verschwinden. Einen weiteren wichtigen Aspekt habe ich außerdem noch in meinem Beitrag: Burnout – ein Minus in der Energiebilanz aufgeführt.

Seminar zum Erlernen der Grundlagen der Bindungsbedingungen

Deshalb erkläre ich ab Oktober in meiner Seminarreihe  „Ursachen finden – Zusammenhänge erkennen – Probleme lösen“ Schwerpunktthema Leben ohne Burnout & Überforderung diese Bindungsbedingungen und Verhaltensmuster. Außerdem erkläre ich grundsätzliches zur Entstehung und den Gründen eines Burnouts. Im zweiten Teil des Seminars suchen wir bei jedem Teilnehmer die Bereiche seines Lebens, die ihn übermäßig Kraft kosten und die, die ihm Kraft geben und ergründen warum. Durch das Verstehen der Zusammenhänge, ergibt sich dann schon eine veränderte Einstellung zu diesen Situationen und damit auch eine Möglichkeit der Lösung.

 

Energiefluss in Beziehungen

Beziehungen funktionieren über Resonanzen

Wie Vieles im Leben funktionieren alle Arten von Beziehung über Resonanzen. Meine Bindungsbedingung „Ich darf nur zur Familie (Gruppe/Partner) gehören, wenn ich immer helfe.“ passt vielleicht perfekt zu der Bindungsbedingung meines Gegenübers „Ich muss möglichst hilflos sein und andere für mich sorgen lassen, um zur Familie gehören zu dürfen.“.

In Resonanz könnten auch zwei Menschen miteinander treten, von denen der eine verinnerlicht hat:“Ich muss mir alles gefallen lassen, damit ich dazu gehören darf.“ und der andere:“Wenn ich dazu gehören will, dann darf ich mir nichts gefallen lassen.“ Der Volksmund sagt nicht umsonst „Ungleich zieht sich an“.

Genauso behauptet er aber auch „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und hat auch damit oftmals recht. Die Resonanz geht dann eventuell in die Richtung einer „standesgemäßen“ Partnerschaft oder gemeinsamer Vorlieben.

Sich bestärken und ergänzen

Die dritte und wahrscheinlich schönste Möglichkeit der Resonanz ist bei Menschen zu finden, die deshalb gerne zusammen sind, weil sie sich gegenseitig unterstützen. Jeder lebt sein Leben mit seinen Wünschen, Vorlieben und Stärken und trägt das, was er kann und möchte zu der Beziehung bei. Beide bzw. alle können sich darauf verlassen vom anderen bei den eigenen Projekten bestärkt zu werden und man ergänzt sich im Idealfall dabei auf wunderbare Weise. Das sind Beziehungen, die nicht einengen oder Entwicklung behindern, sondern die ermutigen, bereichern, Erstaunliches schaffen und oftmals auch von außen sehr positiv
wahrgenommen werden.

Diese Beziehungs- bzw. Resonanzmodelle existieren natürlich nie in Reinform, sondern sind meist Mischungen aus allen drei Formen mit veränderlichen Anteilen.

Worin liegt der Unterschied?

Agiere ich selbst überwiegend noch aus alten, erlernten, mich einschränkenden Verhaltensmustern heraus, dann lebe ich meine eigenen Stärken noch nicht optimal und werde mir einen Partner suchen, bei dem das noch genauso ist. Wir versuchen jemanden zu finden, der nach passenden Bindungsbedingungen lebt, wie ich sie selbst erlernt habe. Machtbedürfnis wird auf Ohnmacht treffen, Helfersyndrom auf Unselbstständigkeit, Verantwortungsübernahme auf Hilflosigkeit usw. Man verzahnt sich überwiegend über seine „Baustellen“.

Auf energetischer Ebene traue ich mich im Zusammenhang mit diesen Themenbereichen nicht das zu tun, was ich gerne möchte und lasse damit meine eigene Energie nicht fließen („Eigentlich würde ich gerne darauf achten, dass es erst einmal mir gut geht, damit ich Kraft habe auch dafür zu sorgen, dass es auch dir gut geht – aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich dann auf Ablehnung stoße.“). Stattdessen versuche ich den erlernten Mustern zu entsprechen, darüber die Beziehung zu halten und über eine möglichst positive Reaktion des anderen auf mein Tun, seine energetische Öffnung zu erreichen und damit Energie von ihm zu bekommen.
Hört sich kompliziert an, ist aber alltäglich:
Mein Gegenüber erwartet von mir, dass ich etwas Bestimmtes tue,
ich tue das,
mein Gegenüber freut sich darüber und
lobt mich.
Ein aufrichtiges Lob tut deshalb so gut, weil in dem Augenblick Energie fließt.

Das zu tun, was ich selber möchte, was meiner Persönlichkeit entspricht und mir Freude bereitet, würde meine eigene Energie zum fließen bringen und mir eine „energetische Unabhängigkeit“ bescheren. Ich wäre dann unabhängig von der positiven Rückmeldung meines Gegenübers. Dazu brauche ich aber den Mut, mir und meinen Fähigkeiten und nicht zuletzt auch dem Leben zu vertrauen, dass ich in der Lage bin, zur Not auch alleine zu überleben, bzw. andere Menschen zu finden, die mich so mögen und annehmen, wie ich bin – ohne meine Fassade aus anerzogenen Verhaltensmustern. Diesen Mut zu finden ist, je nachdem wie ich geprägt wurde, manchmal ganz schön schwierig…aber immer machbar.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Das zweite Resonanzmodel ist relativ unaufregend: du erfüllst meine Erwartung, ich gebe dir Energie, ich erfülle deine Erwartung, du gibst mir Energie. Ich benötige die „Schwäche“ des anderen nicht, um eine eigene Daseinsberechtigung zu haben, lebe meine Stärken aber auch noch nicht optimal und suche immer noch die Bestätigung meines Tuns in der Reaktion des anderen.

Macht sich in den Beziehungen des ersten oder zweiten Modells einer alleine auf den Weg, steigt aus diesen alten Mustern und seinen Ängsten aus und lebt seine Persönlichkeit immer mehr, während der andere im alten Verhalten verharrt, wird diese Beziehung früher oder später auseinander gehen. Die Resonanzen passen einfach nicht mehr.

Es muss ausgeglichen sein

Wenn ich nicht mehr ohnmächtig bin, lasse ich nicht mehr zu, dass jemand Macht über mich hat und wenn ich mir selbst vertraue etwas zu schaffen, dann bin ich nicht mehr auf die permanente Hilfe des anderen angewiesen.
Ich bin energetisch nicht mehr vom anderen abhängig, sondern kann meine eigene Energie fließen lassen und von ihr zehren, weil ich das tue, was mir Freude macht und mir entspricht. Diese Energie ist, sagen wir mal, „höherwertig“, wie alles, was wir mit Freude und Liebe tun.
Ich bin dann in meiner „Stärke“ und gebe diese „höherwertige“ Energie in die Beziehung hinein. Mein Gegenüber sitzt aber immer noch in seiner „Schwäche“ und versucht über Abhängigkeiten und Ängste Energie zu bekommen. (Ängste drücken sich übrigens auch über aggressives, machtgieriges oder überhebliches Verahlten aus.)
Damit ist die Beziehung schon rein rechnerisch aus der Balance. Der eine gibt mehr hinein und bekommt weniger heraus, als der andere. Das geht auf Dauer nicht gut.

Wir können uns von unserem Gegenüber angezogen fühlen, weil unsere „Schwächen“ in Resonanz gehen oder weil unsere „Stärken“ miteinander harmonieren, wie es beim dritten Beziehungsmodell der Fall ist. Jeder lässt seine Energie frei fließen und lebt seine Persönlichkeit ohne Angst aus. Beide unterstützen sich nach Kräften, mehren dadurch die Freude noch und geben beide gleichwertige Energie in die Beziehung hinein.

Man beschenkt und wird beschenkt…freiwillig und bedingungslos…und dann ist es Liebe.