Aus dem Diffusen des Un(ter)bewussten wieder ins Bewusste

Auszug aus meinem Buch
„Selbstheilung – wie geht das eigentlich?“

„Mein Unterbewusstsein formuliert aus seinen Lernerfahrungen die entsprechenden Bindungsbedingungen. Dabei vereinfacht es. Die ursprüngliche Situation der Lernerfahrung ist für mich nicht mehr wirklich relevant.
4+6=10
Das weiß ich, ohne mich noch an die konkrete Schulstunde erinnern zu können, in der ich das gelernt habe. Und mal ehrlich: Manche Schulstunde war ja auch so scheußlich, dass ich mich am liebsten gar nicht mehr an sie erinnere.

Das alte Gespenst in der Ecke

Was ich daraus gelernt habe, ist für mich wichtig. Der Ursprung und die damaligen Bewertungskriterien, warum ich das so eingeschätzt habe (z.B. gefährlich oder ungefährlich), liegen im Diffusen. Man kann sich dieses Diffuse vorstellen, wie eine dunkle Ecke im Raum, aus der ein merkwürdiges Geräusch kommt. Solange ich nicht weiß, was in der Ecke los ist, macht mir dieses Geräusch Angst. Mache ich einmal das Licht an, sehe ich, dass sich die leere, zusammengeknüllte Chipstüte langsam wieder entrollt. Als Kind habe ich das nicht verstanden und Gespenster dafür verantwortlich gemacht. Als Erwachsener kenne ich das Verhalten von Folien, mache das Licht wieder aus und kann beruhigt schlafen.

Leben nach alten Lernerfahrungen

Dieses Lernen  aus Erfahrungen ist eigentlich für Stresssituationen gedacht, in denen es schnell gehen muss. Die ursprüngliche Lernerfahrung ist in diesem Augenblick egal, es zählt nur, was ich aus ihr gelernt habe.
Mein Unterbewusstsein arbeitet dabei nach vielfach bewährtem Schema:

Lernen => Resümee daraus ziehen => Resümee speichern => nur noch nach dem Resümee leben.

Um das alte Resümee, also das für mich heute ungünstig angelegte Verhaltensmuster, verändern zu können, gibt es sicherlich verschiedene Wege. Der Weg, den ich hier vorschlagen möchte, ist, mir die alten Lernerfahrungen aus dem Diffusen wieder ins Bewusste zu holen…“

Ich bin jetzt erwachsen und kein Kind mehr

Ich überprüfe, ob die Kriterien, unter denen ich damals die Situation  beurteilt habe, auch heute noch gelten. Bin ich immer noch ohnmächtig? Muss ich immer noch tun, was mein Gegenüber von mir verlangt? Bin ich immer noch abhängig? Flößt mir mein Gegenüber oder diese Umgebung / Gegebenheit wirklich immer noch Angst ein?

Durch die Neubewertung der Situation gebe ich meinem Unterbewusstsein die Möglichkeit zu einem neuen Verhalten in ähnlichen Situationen zu kommen, besonders wenn ich dieses neue Verhalten ganz bewusst formuliere.

Wie das gehen kann, erkläre ich näher in meinem Buch und in meinen Seminaren.